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WELTERZEUGUNG AUS GLOBALER PERSPEKTIVE:
EIN DIALOG MIT CHINA
從全球視閾看“世界”的建構:對話中國

Über das Verbundprojekt "Welterzeugung aus globaler Perspektive: ein Dialog mit China"

Debatten zu einer tiefen und globalen Krise, wenn nicht gar vom Untergang der gegenwärtigen Weltordnung werden in vielen Gesellschaften geführt. Bei der Suche nach den Ursachen vermeintlicher Erosionsprozesse des internationalen Systems spielen globale Verschiebungen wirtschaftlicher und politischer Kräfteverhältnisse – allem voran der rasante Bedeutungsgewinn Chinas – eine zentrale Rolle. Weitere mit solchen Machtverschiebungen verbundene, globale Veränderungen reichen vom Aufstieg nationalistischer Strömungen in vielen Gesellschaften bis hin zu Brüchen in den Strukturen und im Zusammenspiel wichtiger internationaler Organisationen. Hinzu kommen aktuelle Herausforderungen wie die Umweltkrise, bei der Klimaerwärmung und Artensterben ganz konkret unsere Lebenswelten bedrohen, sowie globale Probleme sozialer Ungerechtigkeit und von Weltgesundheit.

Vor dem Hintergrund dieser Umbrüche hinterfragt der interdisziplinäre Verbund „Welterzeugung („worldmaking“) aus globaler Perspektive: ein Dialog mit China“ bestehende Konzeptionen und Begriffe von „Welt“ und untersucht Prozesse von Welterzeugung aus transnationalen und transkulturellen Perspektiven. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Berlin, der Georg-August-Universität Göttingen, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Ludwigs-Maximilians-Universität München und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg erforschen in enger Kooperation mit deutschen und chinesischen Forscherinnen und Forschern verschiedener Disziplinen Prozesse und Praktiken der Welterzeugung und der Veränderung von Welten.

„Welterzeugung“ verstehen wir als Prozess, durch den Akteure eine spezifische, begreifbare, und mitunter sozial beschwichtigend wirkende Vorstellung von Gesamtheit schaffen. Diese Totalität ist sowohl gelebte Realität als auch eine Konstruktion unserer Vorstellung, die sich physisch und sozial, aber auch mental und metaphorisch erleben lässt. Die Erzeugung von Welten in diesem Sinn kann unterschiedliche Formen, Handlungen und Materialien annehmen und ist veränderlich in Raum und Zeit. Die Untersuchung von Welterzeugung erfordert daher grundsätzlich eine multiperspektivisch und historisch informierte Herangehensweise.

Im interdisziplinären Dialog mit chinesischen und deutschen Kolleginnen und Kollegen stellen wir unter anderem folgende Fragen:

  • Wie werden Welten erzeugt und verändert, und warum entfalten manche Welten lokal, regional und global stärkere Wirkung als andere? Wie und warum verschwinden sie?
  • Wie betrachten und erfahren unterschiedliche Akteure bestimmte Welten? Wie beeinflussen diese Welten gelebte Realitäten, und wie tragen unterschiedliche Praktiken zur Veränderung von Welten bei?
  • Welche Rolle spielen nationale/kulturelle und transnationale/transkulturelle Strukturen und Verflechtungen bei der Erzeugung und Veränderung von Welten?
  • Wie verhalten sich die Konzeptionen und Praktiken verschiedener Welten zueinander, und wie wirkt sich dieses Nebeneinander von unterschiedlichen Welten auf gelebte Realitäten und Prozesse der Welterzeugung aus?

Wir erörtern diese Fragen, indem wir Prozesse und Praktiken der Welterzeugung auf vier eng verzahnten analytischen Ebenen untersuchen: