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WELTERZEUGUNG AUS GLOBALER PERSPEKTIVE:
EIN DIALOG MIT CHINA
從全球視閾看“世界”的建構:對話中國

Vorstellungen von Weltordnung und ihre Trägergruppen

Conceptions of World Order and Their Social Carrier Groups

Conceptions of World Order and Their Social Carrier Groups
Bildquelle: Jannis Schulze

Das Teilprojekt „Vorstellungen von Weltordnung und ihre Trägergruppen“ untersucht unterschiedliche Denkmuster innerhalb Chinas, Europas, und anderen Weltregionen, die im Zusammenhang mit Rhythmen und Mustern von Weltordnung stehen. In diesem Rahmen beschäftigt sich das Projekt nicht nur mit globalen politischen und ökonomischen Kräfteverhältnissen, sondern auch kulturellen Hegemonien sowie globalen sozialen und religiösen Bewegungen.

Der englische Begriff „world order“ bezieht sich primär auf wesentliche (teilweise auch institutionalisierte) Facetten des globalen politischen und ökonomischen Machtgefüges. Er wird mittlerweile weitgehend überlappend mit Konzepten wie „Globale Ordnung“ oder auch „Internationale Ordnung“ gebraucht. Zunehmend werden auch soziale Bewegungen (einschließlich Nichtregierungsorganisationen), kulturelle Hegemonien oder auch religiöse Kräfte als wesentliche Teile von „Weltordnung“ verstanden. Deutungen von Weltordnung haben sicherlich die Möglichkeit, derartige Komplexitäten in die Betrachtung einzubeziehen, und dennoch sind sie dazu gezwungen, ein relativ klar konturiertes Bild einer – unterschiedlich gedeuteten – globalen Lage zu bieten. Bei Weltordnungsvorstellungen handelt es sich somit zumindest teilweise um Abstraktionen globaler Machtgefüge. Hier werden zumeist bestimmte Facetten internationaler Macht- und weltweiter Interaktionsprinzipien insofern überspitzt gezeichnet, als sie als Ordnungsmuster mit weltweiter Gültigkeit dargestellt werden. Insofern können wir Weltordnungen nicht allein als Spiegelungen einer globalen Realität betrachten; sie sind gleichzeitig auch Vorstellungswelten.

Das Teilprojekt widmet sich der Erforschung derartiger Weltordnungsvorstellungen innerhalb ausgewählter Akteursgruppen. Es wird in diesem Zusammenhang sowohl gegenwartsbezogene Analysen als auch Studien mit historischer Tiefendimension vorantreiben. In allen Fallstudien steht unter anderem die folgende Grundfrage im Vordergrund: Inwiefern prägen die konkreten Kontexte, Lebensumstände und Diskurswelten innerhalb einzelner Gruppen deren vorherrschenden Weltordnungsvorstellungen? Der Fokus auf – zumeist transnational vernetzte – soziale Akteursgruppen impliziert, dass nicht allein nationale, sondern auch transnationale Debatten zu Aspekten von Weltordnung untersucht und miteinander verglichen werden. Das Ziel des Teilprojekts besteht somit darin, zu erfassen, wie sich Weltordnungsvorstellungen innerhalb einzelner Trägergruppen entwickelt haben. Lassen sich etwa für bestimmte Gruppen in verschiedenen Weltregionen gemeinsame Rhythmen und Muster von Veränderungen in vorherrschenden Weltordnungskonzeptionen erkennen? Welchen Einfluss hatten globale Transformationen und Ereignisse von weltweiter Bedeutung auf bestimmte Weltordnungsvorstellungen? In welchen Kontexten haben sich einzelne Trägergruppen als fest in ihren jeweiligen regionalen oder nationalen Kontexten verankert betrachtet, und wann herrschte in einigen Kreisen – zu bestimmten Zeiträumen oder unter bestimmten Bedingungen – das Bild einer transnationalen Interessengemeinschaft vor, welche für eine bestimmte Form von Weltordnung eintritt?


Aktivitäten des Projekts: Seminare, Vorträge, Präsentationen, Workshops, Interviews

Vortragsreihe "Conceptions of World Order and Their Social Carrier Groups"

Im Juli 2022 fanden an der Universität Göttingen im Rahmen der Vortragsreihe "Vorstellungen von Weltordnung und ihre Trägergruppen" drei Vorträge statt. Eugenio Menegon (Boston University) veranschaulichte die Bedeutung der interkulturellen Zirkulation von Wissen über China. Shoufu Yin (British University of Columbia) demonstrierte in seinem Vortrag Methoden, die es ermöglichen, intellektuelle Geschichten zu schreiben, die das westliche Europa und China gleichermaßen berücksichtigen. Wen Shuang (New York University Shanghai) schilderte vier wenig bekannte Geschichten der arabisch-chinesischen Verflechtungen im Zeitalter der transimperialen Zusammenarbeit.

Digital Dialogues #8: Nationalism in China and Europe: Global Divergence and Convergence of an Idea

Im Rahmen der Digital Workshop Serie "Digital Dialogues" des Verbundkollegs verglichen Stefan Berger und Xin Fan die Rolle des Nationalismus bei der Entstehung und Auflösung des modernen Chinas und Europas im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts miteinander und blickten dabei über den ethnozentrischen Rahmen der historischen Interpretationen hinaus.

Netzwerktreffen "Krise und Neuordnung"

Am 13. und 14. Juni 2022 nahmen Mitglieder des Joint Center for Advanced Studies am Netzwerktreffen "Krise und Neuordnung" teil, das vom German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und der Universität Hamburg organisiert wurde. Die Veranstaltung beschäftigte sich mit der Fragestellung, was "Krisen" in den Bereichen Politik, Umwelt und Wirtschaft kennzeichnet und welche Formen der globalen und nationalen Neuordnung sich aus Krisen ergeben.

Vortrag "Homeland, Refuge, and Magnet: Mecca in the Travels and Imaginaries of Chinese Muslims" von Janice Hyeju Jeong

Auf Einladung des Projekts "Soziale Welten: Chinas Städte als Orte von Welterzeugung" (Würzburg) hielt Janice Hyeju Jeong, Postdoc im Projekt "Vorstellungen von Weltordnung und ihre Trägergruppen" (Göttingen), am 11. Mai 2022 einen Vortrag zum Thema "Homeland, Refuge, and Magnet: Mecca in the Travels and Imaginaries of Chinese Muslims".

Wissenschaftlicher Artikel "Little Mecca in Canton: representations and resurgences of the graveyard of Sa’d ibn Abī Waqqās" by Janice Hyeju Jeong

Im Februar 2022 veröffentlichte die Zeitschrift History and Anthropology den wissenschaftlichen Artikel "Little Mecca in Canton: representations and resurgences of the graveyard of Sa'd ibn Abī Waqqās", verfasst von Janice Hyeju Jeong, Postdoktorandin des Projekts "Conceptions of World Order and Their Social Carrier Groups".

Vortrag „China in Latin America – Some Observations“ von Benjamin Creutzfeldt

Im Rahmen einer Online-Vorlesung am Ostasiatischen Seminar der Universität Göttingen gab Dr. Benjamin Creutzfeldt, Fellow im Projekt "Vorstellungen von Weltordnung und ihre Trägergruppen", am 21. Dezember 2021 Einblicke in sein Forschungsfeld zu Chinas Beziehungen zu Lateinamerika.

Workshop "Africa in Shifting Global Contexts: The Roles of China and the EU"

Im Rahmen des Workshop "Africa in Shifting Global Contexts: The Roles of China and the EU" diskutierten am 14.-15 Dezember 2021 nationale und internationale Wissenschaftler die Rolle von China und der EU für den afrikanischen Kontinent.

Digital Dialogues #4 "India-China Connections from Subaltern Perspectives"

Die Geschichte der indisch-chinesischen Beziehungen wurde lange Zeit aus der Perspektive der Eliten erforscht, während sich nur wenige damit befasst haben, wie gewöhnliche Inder und Chinesen interagierten und wie ihr Leben miteinander verbunden war. Im Rahmen der "Digital Workshop Series" des Verbundkollegs stellte Cao Yin, Professor an der Tsinghua-Universität, Fälle aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor, darunter die Erfahrungen von Sikh-Polizisten in Shanghai während der Zwischenkriegszeit sowie Erlebnisse chinesischer Deserteure in Indien während des Zweiten Weltkriegs.

Buchvorstellung "Borderland Infrastructures: Trade, Development, and Control in Western China" von Alessandro Rippa

Im Rahmen des Projekts "Vorstellungen von Weltordnung und ihre Trägergruppen" fand am 7. Dezember 2021 eine Buchvorstellung von Alessandro Rippa vom Rachel Carson Center for Environment and Society der Ludwig-Maximilians-Universität München statt. Rippa präsentierte seine Erkenntnisse aus seinem kürzlich erschienenen Buch "Borderland Infrastructures: Trade, Development, and Control in Western China".

Digital Dialogues #2 "Global Visions of Place and Belonging: Sojourners from China and the Arab World"

Im Rahmen der digitalen Workshop-Reihe "Digital Dialogues" des Verbundkollegs diskutierten Dr. Mohammed Al-Sudairi und Dr. Janice Hyeju Jeong über Reisende, die zu zentralen Momenten des zwanzigsten Jahrhunderts zwischen China und der arabischen Welt umherreisten. Die Vortragenden thematisierten die Spannungen zwischen den romantischen Vorstellungen und der Realität sowie die Projektion der gesellschaftlichen Umstände der Schriftsteller auf ihre Konzeptionen.

Gastvortrag "The Inter-State Order of Post-Tang East Asia" von Nicolas Tackett (Berkeley)

Während vor einigen Jahrzehnten die "chinesische Weltordnung" aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert typischerweise als unveränderlich über die gesamte Zeitspanne des Kaiserreichs hinweg betrachtet wurde, basierte dieser Vortrag von Nicolas Tackett auf der Überlegung, dass sich zwischenstaatliche Systeme im Laufe der Zeit erheblich weiterentwickeln. Vor diesem Hintergrund beleuchtet Nicolas Tackett, Professor für Geschichte an der U.C. Berkeley, den Fall der Tang-Dynastie als einen entscheidenden Moment, der eine ganz andere ostasiatische Weltordnung einleitete.

Conceptualizing Planetary Humanities - A Public Panel

Dieses öffentliche Panel war Teil eines Workshops, der von Bo Strath, John Noyes & Dominic Sachsenmaier veranstaltet wurde. Es diskutierte einige der wichtigsten Themen, Konturen, Kontexte, Interventionen, Herausforderungen oder potenzielle Fallstricke der Geisteswissenschaften, die als planetarisches Unterfangen verstanden werden. Die beiden Panels (jeweils etwa eine Stunde) wurden auf youtube livestream übertragen.

Gastvortrag "Nationalism and the Crisis of Modernity" von Prasenjit Duara

Am 3. Juni 2021 hielt Prasenjit Duara auf Einladung der Universität Göttingen einen Gastvortrag zu dem Thema "Nationalism and the Crisis of Modernity". Prasenjit Duara ist Inhaber des Oscar-Tang-Lehrstuhls für Ostasienwissenschaften an der Duke University. Er vertritt die These, dass die Form einer Nation der "epistemische Motor" ist, der das global zirkulierende und dogmatische Aufklärungsideal der Eroberung der Natur und des immerwährenden Wachstums antreibt, das die ausufernde Technosphäre aufrechterhält.

Vortrag "Circulations and Convergences: Mecca in the Conceptions and Mobilities of Chinese Muslim Diasporas in Saudi Arabia" von Dr. Janice Hyeju Jeong

Am 17. Mai 2021 hielt Dr. Janice Hyeju Jeong einen Vortrag am Hong Kong Institute for the Humanities and Social Sciences der University of Hong Kong, the Hong Kong University, zum Thema "Circulations and Convergences: Mecca in the Conceptions and Mobilities of Chinese Muslim Diasporas in Saudi Arabia". Im Juli 2021 erschien in "The Diplomat" ein Artikel über den Vortrag und das anschließende Interview mit Janice Jeong.