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WELTERZEUGUNG AUS GLOBALER PERSPEKTIVE:
EIN DIALOG MIT CHINA
從全球視閾看“世界”的建構:對話中國

Taiwan Lecture Series "Auf der Suche nach Heimat"

10.05.2024 - 12.05.2024

Die diesjährige Taiwan Lecture Series, in Kooperation mit Welterzeugung – Ein Dialog mit China, beschäftigt sich mit dem Thema Auf der Suche nach Heimat. Begleitet wird die Vorlesungsreihe jedes Jahr von umfangreichen künstlerischen Darbietungen (z.B. The Messiah, Eingesperrt, Or-And). In diesem Jahr wird die taiwanesische Künstlerin Chi-Han Feng 馮紀涵 (*1991) gemeinsam mit der Jungen Kantorei (Frankfurt, Heidelberg) unter der Leitung von Jonathan Hofmann das Werk Israel in Egypt aufführen:

G. F. Händel – Israel in Egypt (Konzert / Projektion / Installation) 

May 10

Wartburgkirche Frankfurt

May 11

Stadthalle Hofheim

May 12

Neue Aula der Universität, Heidelberg

Die Veranstaltungen beginnen je um 18 Uhr.

Heimat steht für Geborgenheit, Vertrautheit, Angekommen-Sein und Zugehörigkeit. Genau deswegen aber treten meine Heimat, meine Geborgenheit, meine Vertrautheit, mein Ankommen und meine Zugehörigkeit in Konkurrenz mit anderen: Heimat wird gewaltsam umkämpft. Dieses immer noch so aktuelle Dilemma wollen wir beleuchten. Die Erkenntnis, dass Heimat nicht nur gesucht und erfunden, sondern eben deswegen auch umkämpft ist, wird uns derzeit jeden Tag auf unvermeidliche Weise vor Augen geführt: Stündlich häufen sich Nachrichten über das Kriegsgeschehen in Gaza und in der Ukraine, während in der Taiwan-Straße der Ernstfall geprobt wird. Wir können diesen aktuellen Realitäten nicht aus dem Weg gehen, wir können nicht einfach zur Seite treten, wir können, dürfen und wollen uns einer Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen nicht verschließen. Die scheinbare Unlösbarkeit all dieser Konflikte darf nicht lähmen: Die Kultur unserer Gegenwart muss sich dieser komplexen Themen annehmen.

Angesicht von kriegerischer Verwüstung, diktatorischem Machtmissbrauch und Umweltkatastrophen und den dadurch bedingten Flüchtlingsströmen, die unser aller Gegenwart bestimmen, laden wir in diesem Jahr Künstler:innen ein, die selbst Migration, Flucht und Exil, Ausgrenzung und Diskriminierung, Be- und Entheimatung erfahren haben (u.a. Xu Xing, Lung Ying-tai). Israel in Egypt ist im derzeitigen Kontext von höchster Aktualität und Anlass für Diskurs und Diskussion. Das Oratorium erzählt vom Exil Israels. Es erzählt die Geschichte von einer (verzweifelten) Suche, dem (glücklichen) Finden aber auch vom immer wieder (brutalen) Umkämpfen, der Zerstörung von Heimat. Dieses wohlbekannte Repertoire-Stück von aktueller Brisanz soll nun im globalen Kontext neu gedacht werden. In Zusammenarbeit mit der taiwanesischen Künstlerin FENG Chi-han 馮紀涵 verfolgt das Projekt mit Israel in Egypt: Heimat suchen, was Fluchterfahrung, die gewaltvolle Teilung eines Landes, und, damit verbunden, die immer wieder neue Suche nach Heimat für den einzelnen Menschen bedeuten kann—welche Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, aber auch Wut und Rache so produziert werden.

Der sehr alte tradierte Text hadert mit der Vertreibung aus Kanaan und kombiniert die Sehnsucht nach Heimat mit dem menschlichen Zorn über ihren (mehrfachen) Verlust. Immer wieder muss das Volk Israel im Laufe der Erzählung aus dem Alten Testament eine Heimat suchen, finden, neu definieren und dann doch wieder verlassen. Israel in Egypt ist eine Geschichte von zweimaliger Flucht und Rettung – vor dem Hunger und vor der Sklaverei. Es ist die Geschichte immer wieder neugesuchter Heimat, die nicht nur für einen Ort, sondern auch für eine Glaubensgemeinschaft steht. Aber es ist auch die Geschichte eines gewaltsamen Gottes, der sich brutal durchsetzt, um seinem Volk eine Heimat zu schaffen: Thy right hand, O Lord, hath dashed in pieces the enemy. ... Thou sentest forth Thy wrath, which consumed them as stubble (Israel in Egypt, Part III Chorus, Exodus 15:7). Nach dem Prinzip des NeuHörens hinterfragt die Aufführung in einem Dialog mit der Multi-Media-Künstlerin FENG Chi-han 馮紀涵 aus Taiwan, die den Leerstellen und Stolpersteinen des vertonten Bibeltextes nachgeht, und die Selbstverständlichkeit solcher Gewalt-, auch Rache-Akte, die aus dem Schmerz des Heimatverlustes oder der Angst um Heimat überall auf der Welt entstehen können, hinterfragt.